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Besorgnis in Estern: Machen Abfälle aus Biogasanlagen krank?

biogasreste

GESCHER/HORSTMAR (AZ/fjk). In der Bauernschaft Estern ist man beunruhigt. Seit kurzer Zeit ist dort eine große landwirtschaftliche Fläche in Pacht eines Biogasanlagenbetreibers aus Ahaus. Im Ausschreibungsverfahren war er der Meistbietende, zum Nachteil  der lokalen Veredlungslandwirte.

Nun hat der Biogasanlagenbetreiber damit begonnen, große Mengen Gärreste, sogen. Bio-Reaktorabfälle, auf den von ihm gepachteten Flächen zu lagern. „Ist das nicht gefährlich?“ fragt ein Anlieger GescherBlog. Schließlich höre man immer wieder, dass diese Gärreste Vieh und Mensch krank machen könnten. Botulismus.

botulismus-hellwigErnst-Günther Hellwig (links) aus Horstmar,  nicht irgendwer sondern Leiter der Agrar- und Veterinärakademie, hat einen schlimmen Verdacht. Reste aus Biogasanlagen könnten chronisch krank machen!  Der Tierarzt und studierte Landwirt hat im vergangenen Jahr über 4000 Tierärzte und Landwirte  weitergebildet.

Seit Hellwigs Befürchtungen von immer mehr Wissenschaftlern geteilt werden, fühlt er sich verpflichtet, in die Öffentlichkeit zu gehen. „Wir brauchen viel mehr Forschung zu diesem Thema“, sagt er, und:  „BSE nahm am Anfang auch niemand ernst.“

Vereinfacht geht es darum: Clostridien, so heißen die Bakterien sind erstaunliche Mikroorganismen, können als Sporen verpuppt Jahrhunderte überdauern. Sie kommen zwar überall vor, haben aber äußerst gefährliche Unterarten wie Clostridium botulinum. Das entsteht vor allem bei Verwesungsprozessen. Verrottet etwa ein Reh in der Futter-Silage, sterben Kühe, die davon fressen, unmittelbar – man spricht vom „akuten Botulismus“.

Der Gärprozess in Bioreaktoren ähnelt einem Verwesungsprozess; er läuft nur schneller ab. Das körperwarme Gärklima, so die Vermutung, forciert die Vermehrung der möglicherweise in der Gülle, aber auch in Hühnerkot oder Schlachtabfällen enthaltenen Clostridien. Werden die Gär-Reste als Dünger auf Äcker und Wiesen aufgebracht, bleiben die Sporen als Biofilm an den Pflanzen haften, gelangen als Silage wieder ins Futter. Ein Kreislauf entsteht, der nach und nach das Gift im Körper anreichert. „Die Tiere fallen nicht direkt tot um, sondern werden chronisch vergiftet“, sagt Hellwig und verweist auf angeblich immer mehr Fälle, vor allem in Schleswig-Holstein.

botulismus-ausbringenStimmt das alles, wären die Folgen weitreichend. Denn die Düngemittelverordnung besagt, dass nur Dünger ausgebracht werden darf, der für Mensch und Tier unschädlich ist. Gär-Reste mit Botulismus-Bakterien aber müssten wie Sondermüll behandelt werden. Das wäre ein Rückschlag für die Biogas-Industrie. Entsprechend läuft die Biogasindustrie gegen die Thesen  Hellwigs Sturm.  Diese formulierte er mit anderen Experten in der „Göttinger Erklärung“, mehr als 400 Tierärzten unterzeichneten das Papier. „Herbeigeredet“ werde hier ein Problem, meinen Kritiker.

Christof Wetter, der für die Fachhochschule Münster ein Gär-Reste-Projekt betreut, spricht  offen von „Quatsch“. Dr. Christoph Brundiers, Chef des Veterinäramtes im Kreis Steinfurt, ist da allerdings vorsichtiger. Es gebe keinen „akuten Problemdruck“, aber er sagt auch: „Das muss erforscht werden“. „Dringenden Handlungs- und Forschungsbedarf“ attestierte schon 2004 das Bundesamt für Risikobewertung dem Thema. Auch das Bundes-Landwirtschaftsministerium wird jetzt tätig. Ein Forschungsvorhaben zum chronischen Botulismus ist kürzlich ausgeschrieben worden.

*Quelle: „Allgemeine Zeitung Münsterland“.

13 Kommentare zu Besorgnis in Estern: Machen Abfälle aus Biogasanlagen krank?

  1. Hansjoachim Preusse // 27. Oktober 2012 um 13:39 //

    Offensichtlich sind Behörden, wie NLWKN wie auch die Bauzulassungsbehörde
    Osnabrück durch Informationen etwas wach geworden.

    Wie NDR Hallo Niedersachsen am 26./27.10.12 gezeigt hat, hat die zuständige
    Behörde nur „einen“ illegalen Ablauf in die Hunte bei Bohmte von einem landwirtschaftlichen Betrieb ermittelt. Dann hatten sie wohl wenig Zeit um sich genauer umzuschauen.

    Es wurde als Bagatelle abgetan. Das neben dem Hof die Biogasanlage mit einem Abstand von ca. 25 m wie man auf den Bildern sehen konnte, keinen Sicherheitsschutzwall hat, war wohl nicht wichtig obwohl dies kein Einzelfall ist.

    Wichtig ist jetzt in der Regenphase nach Ausbringung der Gärreste auf den Feldern und aus den Flüssen Proben zu entnehmen. Dann findet man möglicherweise die wirkliche
    Quelle der (Cyanobakterien ) die dem Dümmer schaden.

  2. Hansjoachim Preusse // 23. Oktober 2012 um 08:18 //

    Hallo spiegel o.

    Ich bin keiner Partei zugehörig.

    Und auch kein Gegner von Landwirten: Im Gegenteil, wo soll sonst mein Futter herkommen??

    Ich glaube nur Dinge, für die es nachweisliche Belege gibt.

    Deshalb gehe ich gerne den Dingen nach.

    MFG

  3. spiegel o. // 22. Oktober 2012 um 22:44 //

    Durch EHEC sind 2011 über 3500 Menschen erkrankt und 53 verstorben. Ursache waren aus Ägypten importierte Sprossensamen (ACHTUNG: Biosprossen).
    http://www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2011/45/ehec_ausbruch_2011_ein_resuemee_aus_sicht_der_risikobewertung-128196.html

    Noch nie waren in D Verbraucher so gefährdet, als nach „Machtergreifung“ der Grünen. Remmel schickt die Hühner auf die Weide = Dioxin in Eiern. Biogas (Grüne Erfindung) verbraucht unvorstellbare Mengen Ackerflächen = Erdbeeren werden aus China inklusive NOVO Vieren eingeflogen. Künast gibt als Ministerin die Anweisung an die Lebensmittelüberwachung, Biobetriebe weniger und konventionelle Betriebe stärker zu überwachen. Grund: Bei letzteren bestehen größere Gefahren usw. usw.

    Jeder fünfte könnte bald grün wählen…

    Gute Nacht

  4. Hansjoachim Preusse // 22. Oktober 2012 um 19:47 //

    Es sind oft Meinungen, nicht Wahrheiten die Menschen beunruhigen. Bei Biogasanlagen geht es aber um Fakten die geklärt werden müssen. Durch Blitzaktionen am Dümmersee wollten sich Politiker (CDU/SPD/FDP) vor der Wahl eine reine Weste waschen. Leider war er durch Blaualgen (Cyanobakterien ) im landwirtschaftlichen Sinne versaut. Der Quelle ( südliche Hunte ) gehen weder die Presse noch Fachleute auf die Spur. Biogasanlagen ohne Schutzwall, Gärrestehaufen auf Feldern mit Abstand ca. 50 m ( siehe vor Ort oder Google Earth). Zuchtbetriebe mit Oberflächenabläufen in die Hunte und Seitengräben. Wie kann eine Baubehörde so etwas erlauben??? Können nicht Behörden Wasserproben nach dem Ausbringen der Gülle und Gärreste entnehmen um die Verursacher zu ermitteln. Nein, denn die Wahrheit soll keiner wissen.
    vielen Dank spiegel o.

    Jedem Landwirt sei eine Biogasanlage gegönnt, so er die Norm max . 750 KW und alle Vorschriften einhält und nicht andere Landwirte schädigt, und in den Ruin treibt . Den Bau von Monsteranlagen durch Städtebauliche Verträge auf F-Plänen – Sonderbauflächen ist nicht o.k. nur reine Profitgier.

  5. spiegel o. // 21. Oktober 2012 um 19:30 //

    Wir sollten Biogas nicht für alles verantwortlich machen. Bitte vorher essen…

    http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/kraterlandschaft-hautkrankheit-sieht-wie-gehirn-auf-dem-schaedel-aus-a-862287.html

  6. Hansjoachim Preusse // 21. Oktober 2012 um 16:09 //

    Biogasanlagenbetreiber, denen Felder gehören, lassen keinen Busch stehen. Feldrändern und Seitenräume zu Flüssen sind Fehlanzeige. Was man bemerkt und wie wunderbar Erdberge wirkt, ist Abfall aus Biogasanlage – was hoch belastet ist, da der Abfall nicht entsprechend des EEG 2012 – Gesetzes ordnungsgemäß durch Erwärmung auf ca.75 Grad behandelt wurde. Trotzdem wird er einfach auf Ackerflächen ausgebracht denn es gibt keine amtlich Kontrolle. Fischsterben und Blaualgen im Dümmer oder in Flüssen ist also kein Wunder.

    Somit ist dieser als Biodünger mit Cyanobakterien ( Blaualgen) und Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC – Sprotten – Skandal im Jahr 2011 mit den E.coli-Bakterien ) belastet.

    Das Hauptreservoir des Erregers bilden Wiederkäuer, vor allem Rinder, aber auch Schafe und Ziegen, in deren Darm sie regelhaft vorkommen, ohne bei ihnen Erkrankungen auszulösen.

    Durch Zuführung der Gülle von Landwirtschaftlichen Zuchtbetrieben wird die Biogasanlagen effektiver, da sich Bakterien schon im Vorfeld vermehren können. Die Zufuhr von Gülle wird sogar mit Subventionen für Biogasanlagenbetreibern unterstützt.

    Pellets werden aus dem Abfall gepresst, die als Dünger für den BIO – Anbau für Gemüse dienen, da die Cyanobakterien die Kohlfliegen vertreiben aber auch den E.coli-Bakterien ( EHEC ) geht es gut. Und kein Arzt weiß wo er herkommt!

  7. Holger Even // 23. Juni 2012 um 20:33 //

    Die fermentierten Gärreste sind schon allein in ihrer Bakteriendichte als Sondermüll zu betrachten!!! Der Ausbau bestehender bzw der Neubau von Biogas Anlagen ist zu verbieten. Ich habe das Gefühl das die durch Subventionen künstlich entstandene Biogas Industrie sich nicht mehr durch staatliche Organe alleine kontrolieren lässt. Biogasanlagen nein danke!!!!!!

  8. Ludger Furtmann // 17. November 2011 um 11:00 //

    Danke Andreas H.!
    Lieber JS,
    ich wollte niemanden verurteilen und schon gar nicht generalisieren.
    Aber: lesen Sie mal die Veröffentlichungen des Bundesumweltministeriums nach. Am 21.9.2011 hat das Bundeskabinett die Bioabfallverordnung neu gefasst.
    Ich denke, hier wird der Absatz und die Verwendung der Bioabfallkomposte sogar noch gefördert, die Gefahr, die darin liegt ist immer noch nicht geklärt. Man muss einfach nur in einer Gütegemeinschaft organisiert sein, dann klappt das.
    Und: das Geld und Macht große Rollen spielen, darüber braucht wohl nicht diskutiert werden. Warten wir es mal ab, die nächste Seuche kommt bestimmt ( siehe EHEC ).
    Viele treten da einfach mit Ihrer Verantwortung zu kurz, denn die Landwirtschaft trifft sich damit wieder selber, aufgrund einiger schwarzer Schafe.
    Wie gesagt, ich wollte nicht generalisieren!
    Grüße

  9. Andreas H. // 13. November 2011 um 10:55 //

    @JS
    Du solltest Herrn Furtmann mit Respekt und nicht mit den üblichen Legenden des Bauernverbandes begegnen. Respekt deshalb, weil es im Kreis Borken nur ganz wenige Bürger gibt die bereit sind mit Klarnamen für eine Position einzustehen. „Grüne“ gibt es nur bei der FDP.

    Zitat: „Betonkühe unterliegen der Düngeverordnung“, dieses Fass sollten wir nicht aufmachen…

    Zitat: „Suchen Sie das Gespräch mit…“ , ja mit welchen Vertretern denn wohl??????

    Öffentlichkeitsarbeit … desaströs!

  10. Guten Abend Herr Furtmann

    Klärschlämme werden im Kreis Borken perse schon seit Jahren nicht mehr ausgebracht !
    Desweiteren unterliegen Biogasanlagen sowie Landwirte der Düngeverordnung !
    Diese wird regelmäßig 6Jahre rückwirkend geprüft ! (Bei mir in den Letzten 5 Jahren 2 mal)

    Es gibt keinen Grund zur beunruhigung denn wir Landwirte handeln nicht nach Geldgier und Macht sonst würde es lange keine Bauern mehr geben ! (besonders bezogen auf das viele Geld was wir verdienen.)

    Suchen sie das Gespräch mit den Landwirtschaftlichen Vertretern !
    MfG

  11. Ludger Furtmann // 12. November 2011 um 08:42 //

    Es ist wohl unverhältnismäßig, dass der normale Bürger mit teuren Dichtigkeitsprüfungen des Kanals finanziell erpresst und gequält wird, damit keine Abwasserreste ggf. in das Grundwasser gelangen können. Weder die Gefährlichkeit des Abwassers noch das Durchsickern ins Grundwasser sind erforscht oder bewiesen. Die Anlagen bestehen nun auch einmal, die Situation ist defensiv.

    Offensiv dürfen aber direkt nebenan Bio-Reaktorabfälle und Klärschlämme in großen Mengen ausgebracht werden, ja sogar aus dem Ausland geholt werden,deren absolute Gefährlichkeit vermutet wird, aber aus gutem Grund nicht getestet wird: Die Biogasindustrie würde zusammenbrechen, da sie die Abfälle als Sonderabfälle entsorgen müsste. Der heutige Nutzer dieser Abfälle bekäme zudem kein Geld mehr für die Entsorgung.

    Die eventuelle schwere Schädigung des Verbrauchers und der Landbevölkerung wird aus Gründen der Geldgier und der Macht stillschweigend in Kauf genommen.

  12. Der Dreck von den Biogasanlagen aus aller Welt nach Gescher, das fehlt auch noch 🙁

  13. Bürger // 23. Januar 2011 um 10:42 //

    Zu dem Bild oben. Die Reaktorabfälle in dieser Form abzukippen und Monate liegen zu lassen, ist eine Frechheit! Ich bin mir nicht sicher ob das so nicht gegen Verordnungen verstößt (Kommunal bis EU Verordnungen) .

    Jedenfalls hat der Energiewirt uns Bürgern seine „Respektlosigkeit“ demonstriert – zumal er den Dreck auf einer festen Fläche auf dem Hof Mensing hätte lagern können.

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